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2019 Der Vatertagsausflug oder: Wer zuletzt lacht!

Eine weitere beachtliche Uraufführung von Johanna Rubatscher

"Wow", dachte ich mir, als im Spätsommer die ersten Informationen zum heurigen Stück der Volksbühne Oberperfuss durchsickerten. Sage und schreibe 15 Schauspieler sind für "Der Vatertagsausflug, oder: Wer zuletzt lacht!" aufgelistet. Gut, vielleicht kann man den Papagei Habibi nicht als vollwertigen Schauspieler zählen, aber die Zahl ist dennoch beeindruckend.

Noch mehr erstaunte mich, dass die Komödie nicht nur unter der Regie von Johanna Rubatscher steht, sondern auch von ihr geschrieben wurde. Mit dem steigenden Respekte für das Vorhaben wurde bei mir auch die Neugierde größer... An einem schneereichen Novembertag war es dann so weit. Wir nahmen in den hinteren Reihen des komplett ausverkauften Peter-Anich-Hauses Platz. Apropos ausverkauft: Bereits in der vorletzten Spielwoche, waren alle Karten restlos weg. Das kann doch nur ein gutes Zeichen sein.

Aber zurück zum Stück: Der Vorhang geht auf und wir finden uns im Gemeindeamt des Ortes Oberguggenbichl wieder. Die männlichen Gemeinderäte des Gleichberechtigungsausschusses Theobald (Werner Kuen), Isidor (Andreas Triendl) und Claudius (Dominik Heis) sind nicht einverstanden, dass es zwar schon seit Jahren einen Muttertagsausflug, aber bislang noch keinen Vatertagsausflug gibt. Nach einer feuchtfröhlichen Sitzung überzeugt man auch Bürgermeister Balthasar (Thomas Kuen): Der Vatertagsausflug soll nun endlich kommen. Das Vorhaben muss gut geplant werden, deshalb wird eine Vorbereitungsfahrt vereinbart. Damit kein Außenstehender davon etwas erfährt, dient eine Fortbildungsveranstaltung als Vorwand. Auch die Reinigungskraft Mali (Sabine Heis) ahnt nichts. Einzig Amtsleiterin Cordula (Nicola Rubatscher) riecht den Braten und schöpft Verdacht. In einer eilig einberufenen "Telefonkonferenz" verständigt sie ihre Freundinnen Jutta (Stefanie Huber-Gutleben), Pauline (Barbara Lorenz), Senta (Theresia Hrabie) und die weibliche Gemeinderätin Fabiola (Maria Rubatscher). Am besagten Wochenende nutzen nicht nur die Männer ihre Vorbereitungsfahrt, sondern auch die Frauen. Während die Männer sich im Nachbardorf im "grünen Papagei" vergnügen, lassen es die Damen derweil im Gemeindeamt krachen. Zur Motoparty "Sex Hexy" trägt man - respektive Frau - das passende Outfit und lässt sich durch einen DJ (Clemens Triendl) und den Musiker Nico (Marcel Anich) unterhalten. Zu später Stunde kommt auch noch Bibiana (Gerda Wegscheider) - die Frau des Bürgermeisters - „zufällig“ vorbei und feiert ausgelassen mit. Natürlich gibt es auch Prosecco, Brötchen und ganz besondere Kekse... So nimmt der ausgelassene Abend seinen Lauf und endet beinahe in einer Katastrophe. Die Männer geraten in eine Schlägerei und die Frauenparty wird fast wegen Ruhestörung von Polizist Roy (Christian Heis) aufgelöst. Nur mit viel Geschick, Witz und einer gehörigen Portion Listigkeit schafft es Amtsleiterin Cordula und ihre Mitstreiterinnen alles wieder geradezubiegen. Aber nicht nur das, sie helfen auch den Männern aus ihrem Schlamassel. Am Schluss kann jeder sein Gesicht wahren, für die Männer bleibt aber ein einziger Wermutstropfen: Der Vatertagsausflug kommt nicht zustande, denn dafür haben die Frauen schon gesorgt...

 

Die Inszenierung von "Vatertagsausflug, oder: Wer zuletzt lacht!" ist modern, energiegeladen und strapaziert die Lachmuskeln. Dazu passend ein frisches Bühnenbild (Harald Lechner) mit modernen Möbeln und stimmige Kostümen. Besonders die Idee mit den lebensgroßen Smartphones bei der Telefonkonferenz fand ich sehr originell. (Daniela Kuen und Maria Landmann) haben nicht nur die Frisuren der 7 Frauen perfekt zu den Rollen abgestimmt, sondern auch die blauen Augen und Verletzungen der Gemeinderäte geschminkt. 

Freilich, "Vatertagsausflug" lebt von Klischees, komischen Momenten und der sprühenden Energie der Schauspieler. Das spürt man in vielen Szenen. Sowohl die Herrengruppe als auch die Frauengruppe wirkten immer authentisch. Ein paar sozialkritische Seitenhiebe, auf MeToo, die Gleichberechtigung und das Frauenbild passen gut in das Stück. Johanna Rubatscher ist es bestens gelungen all das in eine kurzweilige und moderne Komödie zu verpacken. Sie hat das Stück optimal auf die ihr zur Verfügung stehenden Schauspieler abgestimmt. Die gelungene Inszenierung in Kombination mit den starken schauspielerischen Leistungen ließ die Theaterbesucher einen kurzweiligen und höchst unterhaltsamen Abend erleben. Der Applaus am Ende des Stücks bestätigte das eindrucksvoll. Mir bleibt am Schluss nur noch der Volksbühne Oberperfuss und Johanna Rubatscher zu gratulieren, für den Mut und den Aufwand eine Eigenproduktion auf die Beine zu stellen und diese so bravourös über die Bühne zu bringen.

Vielen Dank

Christof Simon

Darstellendes Spiel Nr 4 2019