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2018 Die Acht Frauen

 

Dieser Herbst war anders. Obwohl die Tage wie immer deutlichkürzer wurden, ließ sich das Wetter davon nicht beeindrucken. Sommerliche Temperaturen begleiteten mich an jenem November-Sonntag zum Peter-Anich-Haus. Nicht dass ich etwas gegen einen feinen Altweibersommer habe, aber Theaterstimmung wollte bei mir nicht so recht aufkommen. Ein Blick auf die Broschüre für die Vorstellung der Volksbühne Oberperfuss gab mir aber wieder Hoffnung. Da stand heute ein Krimi auf dem Programm und dann noch mit acht Frauen! Etwas Besseres kann einem ja gar nicht passieren. Wir nehmen im gut gefüllten Peter-Anich-Haus Platz und nach einer kurzen Einführung öffnet sich der Vorhang. Wir befinden uns in den Bergen, genauer gesagt in einer Villa in den französischen Alpen, irgendwann in den 50er Jahren. Es ist die Zeit um Weihnachten und Suzon (Valentina Haider), die älteste Tochter des Hauses, kommt gerade von der Universität aus London zurück. Ihre Mutter Gaby (Gerda Wegscheider) hat sie soeben vom Bahnhof abgeholt. Aber im Haus sind noch weitere Personen anwesend. Da wäre die langjährige Köchin Madame Chanel (Gabi Lorenz) und das attraktive Zimmermädchen Luise (Maria Rubatscher). Sie sorgen für das Wohlbefinden von Gabys zweiten Tochter Cathrine (Valentina Haider), ihrer neurotische Schwester Augustine (Nicola Rubatscher) und ihrer Mutter Mamy (Sabine Heis). Die vorweihnachtliche Atmosphäre ist zwar leicht angespannt, aber dennoch friedlich. Das ändert sich schlagartig, als Louise eine furchterregende Entdeckung macht. Der einzige Mann im Haus, Marcel wird tot in seinem Zimmer aufgefunden. Er liegt blutüberströmt in seinem Bett und in seinem Rücken steckt ein Dolch. Es bricht Panik aus. Dass niemand das Haus wegen eines gerade tobenden Schneesturms verlassen kann, macht es nicht besser. Und dann ist auch noch das Telefonkabel durchgeschnitten und das Auto springt nicht an. Schnell wird klar, wer auch immer der Mörder war, er ist noch im Haus. Oder sagen wir besser „Sie“, denn es muss eine der 7 anwesenden Frauen gewesen sein. Im Laufe der Handlung werden nach und nach die Geheimnisse jeder einzelnen gelüftet. Der Mord an Marcel bringt für sie alle Vorteile. Als schließlich noch Frau Nummer 8, Marcels Schwester Pierrette (Simone Haider) aus dem Nichts auftaucht, wird jede von jeder verdächtigt. Der Spannungsbogen baut sich bis zum Ende auf und endet in einem überraschenden und schockierenden Schluss. Die Zuseher brauchen ein paar Sekunden um alles zu verdauen, bis schließlich die Schauspielerinnen ihren verdienten Applaus erhalten.
Das Stück von Robert Thomas ist vielschichtig, psychologisch tiefgreifend und verlangt von den Schauspielern alles ab. Umso beeindruckender die Vorstellung der Volksbühne Oberperfuss. Man muss überhaupt erst einmal acht Schauspielerinnen aus den eigenen Reihen haben. Und wenn diese dann in derart guter Weise miteinander spielen, kann man dem Verein und nicht zuletzt dem Spielleiter Thomas Kuen gratulieren. Er hat gemeinsam mit den Schauspielerinnen die Charaktere und ihre Eigenheiten hervorragend herausgearbeitet. Ausgesprochen gut meisterte Valentina Haider als Suzon ihr Debütstück. Aber auch alle anderen spielten ihr Rollen überzeugend. Ich muss jetzt noch innerlich schmunzeln, wenn ich an die hysterischen Ausbrüche von Nicola Rubatscher als Augustine denke oder an - die über jede Kleinigkeit aufgebrachte - Gerda Wegscheider als ihre Schwester Gaby. Für eine erfolgreiche Produktion sind nicht nur Regisseur und Schauspieler wichtig. Es muss auch das Drumherum stimmen. Das hervorragende Bühnenbild von Harald Lechner kann hier nicht unerwähnt bleiben. Mit großer Liebe zum Detail und viel Kreativität hat er und sein Team den Zuseher auf eine Zeitreise in die 50er Jahre geschickt. Viele Details – angefangen bei den Tapeten, über die Skiausrüstung bis hin zur Weihnachtsdekoration - machen es einem leicht sich in Zeit und Ort des Geschehens zu versetzen. Aber auch Frisuren und Kostüme ergaben ein stimmiges Gesamtbild. An die gute Qualität der Produktionen der letzten Jahre knüpft auch „Die 8 Frauen“ an. Mir hat die Volksbühne Oberperfuss einen kurzweiligen und höchst unterhaltsamen Abend bereitet. Dafür möchte ich mich bei allen Akteuren bedanken und freue mich schon jetzt auf den Herbst 2019.

Christof Simon

Oberperfer Dorfblatt - Nummer 124 Ausgabe 4, Dezember 2018