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2017 Der Räuber Hotzenplotz

 

Der Räuber Hotzenplotz „Eine Kasperl-Geschichte halt“, dachte ich mir, „klar nicht irgendeine,sondern die vom Räuber Hotzenplotz“. Meine erste Reaktion zum diesjährigen Stück der Volksbühne Oberperfuss war etwas verhalten. Ehrlich gesagt, ein ausgesprochener Kasperlfan war ich nie, als Kind nicht und als Erwachsener noch viel weniger. Aber an das Buch „Der Räuber Hotzenplotz“ von Otfried Preußler kann ich mich noch sehr gut erinnern. Es war aus der Bibliothek meines Vaters und hatte schon damals einige Jahre auf dem Buckel. Der Einband war marode und es roch sehr alt. Und, es war faszinierend. Weniger der Kasperl oder der Seppel, aber vielmehr die sieben Messer des Räubers Hotzenplotz und besonders der Zauberer Petrosilius Zwackelmann... Spulen wir wieder die „paar“ Jahre vor bis zum Herbst 2017. Wir sitzen gerade mit unserem 8-Jährigen Sohn im Peter Anich Haus und lauschen der Einleitung von Obfrau Sabine Heis. Auffallend ist gleich zu Beginn die weit in den Zuschauerraum reichende Bühne. Rund herum sitzen gespannt wartende Kinder. Doch noch bevor sie ungeduldig werden können, wird es dunkel und die Geschichte nimmt seinen Lauf. Inhaltlich muss ich nicht viele Worte verlieren, die meisten werden die Geschichte des Räubers Hotzenplotz gut kennen, gehört sie doch zum Standardrepertoire jeder gut sortierten Kinderbuchbibliothek. Noch mal zur Erinnerung: Es beginnt zunächst noch ruhig mit der herzigen Großmutter (Stefanie Huber-Gutleben) dem aufgeweckten Kasperl (Dominik Heis) und seinem nicht weniger aktiven Freund Seppel (Clemens Triendl). Doch schon bald wird die Harmonie jäh unterbrochen. Der fürchterlichste Halunke seiner Zeit, der Räuber Hotzenplotz (Christian Heis) raubt skrupellos Großmutters geliebte Kaffeemühle. Das brutale Verbrechen ruft sofort Wachmeister Dimpelmoser (Norbert Habel) auf den Plan. Jetzt nimmt die Geschichte Fahrt auf, denn Kasperl und Seppel nehmen die Ermittlungen selbst in die Hand. Beim Szenenwechsel zum Schloss des Zauberers Petrosilius Zwackelmann, werden bei mir explosionsartig Kindheitserinnerungen wach: Das beeindruckende, an Schnauze und Schwanz aufgehängte Krokodil oder die vielen Augen die einen unentwegt anstarren. Und dann erscheint er, der Furcht einflößende Zauberer Peterosilius Zwackelmann, gespielt von Thomas Kuen. Dank seiner schauspielerischen Leistung bekommt der Zauberer, gleich wie in der Buchvorlage von Otfried Preußler, einen ungemein vielschichtigen Charakter. Der Mann mit spitzem Hut und überlangen Mantel ist mächtig und doch kann er einem fast leidtun. Selbst der große Zauberer weiß mit seinen Kräften nichts gegen ungeschälte Kartoffeln auszurichten und scheint in seinem Schloss einsam zu sein. Noch etwas Besonderes: Das ganze Stück wird von speziellen „Soundeffekten“ begleitet. Sie werden live eingespielt, und zwar von den Musikern Floriana Haider und Marcel Anich. Mit Klarinette, Trompete und allerlei „Geräuschmachern“ untermalen sie die Aktionen auf der Bühne und spielen wunderbar komische Übergangsmusik zwischen den Szenen. Ich beobachte mit Erstaunen, wie gefesselt die Kinder der Handlung auf der Bühne folgen. Sie erleben nicht nur große Schauspielkunst, auch Zwackelmanns Zaubereien wirken ausgesprochen echt und sind hervorragend inszeniert. Dank der aufwendig konstruierten Bühne sind täuschend echte Tricks möglich, wie die Verwandlung der hässlichen Unke in die wunderschöne Fee Amaryllis (Maria Rubatscher). Selbst nach pausenlosen 90 Minuten sind die Kinder noch mit voller Aufmerksamkeit dabei. Ein größeres Kompliment können sie der Volksbühne Oberperfuss wohl kaum machen. Kinder sind nämlich unbarmherzig, wenn ihnen langweilig wird. Aber an diesem Abend keine Spur davon. All das ist nicht zuletzt der Verdienst von Gabi Lorenz, der mit dem „Räuber Hotzenplotz“ ein großartiges Regiedebüt gelungen ist. Gemeinsam mit den Schauspielern hat sie es geschafft, die Besucher aller Altersklassen zu faszinieren und zu begeistern. Dafür gebe ich nochmal gerne - wenn auch nur schriftlich - einen besonders intensiven und langen Applause und bedanke mich auf diesen Weg bei der Volksbühne Oberperfuss für die wunderbare Vorstellung.

 

Christof Simon

Oberperfer Dorfblatt - Nummer 120 Ausgabe 4/2017